Für den Helden aus Witzhelden

11.04.2010 (Alter: 146 tage)

 

LEICHLINGEN - Die Prinsengracht lag am Sonntag auf dem Hügel. Nicht im Gebäude an der Amsterdamer Wasserstraße, sondern im Kirchenschiff der Bauernbarockkirche in Witzhelden mit ihrem romanischen Trutzturm erklang Musik. Und ob es musikverliebte Hausgeister gibt? Offenbar, denn dort, eben an der Prinsengracht 212, wo vor 200 Jahren der bedeutende Sohn des Dorfs Witzhelden - Johann Wilhelm Wilms - wohnte, lebt heute ein musikbegeistertes Ehepaar, das jungen Musikern Unterkunft bietet. Bis vor wenigen Jahren ahnten Sonja und Jan Willem ter Meulen nicht, wer dort in Vorzeiten zu Hause war. Inzwischen sind sie mit der Internationalen Johann-Wilhelm-Wilms-Gesellschaft eng verbunden und kamen zum Tauftagskonzert als Ehrengäste aus dem Nachbarland, das Wilms von 1791 bis zum Tod 1847 zweite Heimat war. Zum achten Mal erklang ein Konzert in Erinnerung an Wilms' Taufe (30. März) und Werk in der Kirche.

Frühlingsfrisch und damit passend zur Jahreszeit ertönten die Kompositionen: Originale, Bearbeitungen und Neuerfindungen, alle vom Geist Wilms getragen: quirlig, vergnüglich und originell, wie etwa die spitzbübischen Stückchen für Oboe (Eduardo Olloqui) und Klavier (Laura Hölzenspies) von Lional Ziblat. Den jungen argentinischen Komponisten hatten die ter Meulens an der Prinsengracht aufgenommen. Auch die Musikerbrüder Szymon und Jan Kreszowiec - Geiger und Flötist - haben sich in diesem Musikhaus wohl gefühlt. Die Verbundenheit zu Wilms sprach aus der Innigkeit, mit der sie dessen Kompositionen musizierten, unterstützt von Alexander Ollgaard (Viola) und Jakob Kullberg (Cello). Thomas Palm, der heimische Pianist, war der temperamentvolle Sachwalter von Wilms Klavierparts. In den Liedbearbeitungen blitzten Momente von Schuberts Schlichtheit und Mahlers Melancholie auf. Und weil am 21. März Bach und Modest Mussorgskij Geburtstag haben, gehörte auch je ein Stück von ihnen zum kurzweiligen Programm.