Pomologe Carl Hesselmann

Was hat der Witzheldener Carl Hesselmann mit Fürst Pückler und Kaiser Wilhelm I. zu tun?


Lehrer, Pomologe und Rosenzüchter Carl Hesselmann


Schloß Babelsberg heute


Kaiser Wilhelm I. (1797 – 1888)


Apfelsorte: Kaiser Wilhelm

Historie: Dieser Apfel ist seit 1877 verbreitet und wurde vom Lehrer Carl Hesselmann aus Witzhelden im Jahre 1864 als ausgewachsener Baum im „Gutsgarten Bürgel“ bei Monheim entdeckt.

„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster König und Herr! Um Eur. Kaiserliche und Königliche Majestät als Einiger und Beglücker unseres deutschen Vaterlandes auch in der Pomologie zu ehren, habe ich mir die große Freude erlaubt, einer neuen Apfelsorte, die zu den edelsten Goldrenetten gehört, bis in den Frühling haltbar und unter meinen 500 Obstsorten die wertvollste Apfelsorte ist, Allerhöchst Ihren erhabenen Namen „Kaiser Wilhelm“ beizulegen und Eur. Majestät 35 Früchte derselben für Allerhöchst Ihren Weihnachtstisch mit der aller unterthänigsten Bitte zu übersenden, solche in Gnaden annehmen zu wollen. Auch bitte ich allerunterthänigst, mir allergnädigst zu erlauben, Eur. Majestät im nächsten Frühling für Allerhöchst Ihren Obstgarten ein Bäumchen dieser Obstsorte verehren zu dürfen. In tiefster Ehrfurcht verharrt Eur. Majestät allerunterthänigster Carl Hesselmann, Volksschullehrer“.

Gewiß hat nicht jeder alte Apfel eine Geschichte wie dieser, viele kamen über den Dorfanger nicht hinaus und drei Orte weiter wuchsen schon wieder andere Sorten. Aber der feste, rotbackige Kaiser Wilhelm trat durch den genialen Marketing-Trick eines Volksschullehrers im Jahre 1875 den Siegeszug durch ganz Deutschland, ja, durch ganz Europa an. Denn der Kaiser gewährte dem Pomologen aus Witzhelden die Bitte, den roten, kräftigen Apfel mit seinem Namen zu ehren – was die Leute bewog, ihn auch zu kaufen, zu essen und selber anzupflanzen. Noch heute ist der Kaiser Wilhelm einer der häufigsten Äpfel in Sachsens Gärten und auf Streuobstwiesen, jenen Refugien für die alten, aus dem Erwerbsobstanbau verdrängten Sorten.

Nachdem Hesselmann Kaiser Wilhelm I. um Erlaubnis gebeten hatte, die neu entdeckte Apfelsorte nach ihm zu benennen, sagte Fürst Pückler im Namen des Kaisers zu und bat Hesselmann ein Exemplar in dem von Pückler angelegten Babelsberger Schloßpark zu pflanzen (Schloss Babelsberg war über 50 Jahre lang der Sommersitz Kaiser Wilhelms I.).

 

  • Ernten: Ende September (die Früchte sollten früh geernet werden).
  • Genußreife: Anfang Dezember bis März
  • Frucht: großer, rot gestreifter, schöner Tafelapfel, der beim Kochen gut zerfällt; läßt sich hervorragend lagern
  • Baum: reichtragend, sehr frosthart und widerstandsfähig gegen Krankheiten; geringe Ansprüche an Boden und Klima; bis in Höhen über 600 m geeignet