Lehrer Fritz Banken

Fritz Banken

von Hans-Gerd Nowoczin, Witzhelden aus dem Heimatkalender 1973

Am 20. März 1971 verstarb Lehrer i. R. Fritz Banken, Witzhelden-Herscheid. Am 9. Oktober 1884 in Holthausen bei Mülheim/Ruhr gebohren, Sproß einer  alten Lehrerfamilie, trat er in das Königlich-Evangelische Seminar zu  Herdecke ein und legte 1906 die erste, 1908 die zweite Lehrer-Prüfung ab.  Er nahm von 1915 bis 1917 am Ersten Weltkrieg teil. 6. Oktober 1929 kam er als Lehrer an die einklassige Schule in Herscheid, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1949 leitete. Seit dieser widmete er sich vor allem der Geschichte Witzheldens, das ihm zur Heimat geworden war. Auch am öffentlichen Leben der Gemeinde nahm er bis zuletzt regen Anteil. Banken war Lehrer aus Leidenschaft. Anläßlich der Einweihung der Aula in Flamerscheid äußerte er, daß er sich auch mit 83 Jahren noch nicht von der Schule trennen könne; als Lehrer auf dem Land wolle er alt, aber niemals zu einem i. R. werden, deshalb nenne er sich Altlehrer. Er hat zahlreiche Aufsätze zur Schulgeschichte Witzheldens veröffentlicht, häufig in der Presse zu aktuellen Schulfragen Stellung genommen. Er hing an seiner Dorfschule. Seine Schüler verehrten ihn noch als erwachsenen Menschen und luden ihn zu Familienfesten ein. Obwohl seine religiöse Einstellung sehr eigenwillig war, hielt er besonders am täglichen Morgengebet in der Schule und am Religionsunterricht fest. Er scheint in diesem Fach Erfolg gehabt zu haben, denn am 20. Januar 1940 schrieb der evangelische Pfarrer Martin Schreiber im Hinblick auf den Religionsunterricht in der damaligen schweren Zeit, daß in dieser Hinsicht Herscheid vor allen Witzheldener Schulen am besten versorgt sei. Überhaupt hat Fritz Banken sein Amt als „Schulmeister“, wie er sich immer wieder nannte, im Kriege besonders ernst genommen, indem er auf den einzelnen Höfen den Unterricht erteilte, als es im Schulhaus nicht mehr möglich war. Als Einzelgänger freilich, der er im Grunde ein Leben lang blieb, lag ihm mehr an einem guten Verhältnis zu seinen Schülern als zu seinen Kollegen oder den Behörden. Sein Werk galt den Kindern. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer beschäftigte Fritz Banken sich intensiv mit der Geschichte „seines“ Dorfes. Kaum ein Gebiet, dessen Werden und Wachsen er sich nicht zugewandt hätte! Ob es der alte Dorfbrunnen war oder die Obstbaumzucht an den Schulen, die Armenpflege in der Gemeinde oder der Wegebau; die Gewerbebetriebe, die Sitten und Gebräuche, die Sehenswürdigkeiten und natürlich die Schulen: Fritz Banken durchstöberte vergilbte Papiere und erhob daraus das Wesentliche zum Thema. Es war nicht nur das Interesse an der Vergangenheit, das ihn fesselte. Er wollte mit allem, was er schrieb, belehren; er wollte zeigen, „wie es vor undenklichen Zeiten gewesen ist“ („Land an Wupper und Rhein“, Heimatkalender 1960), um zu ermahnen, Hast und Leistungsdruck nicht überhand nehmen zu lassen, sondern das gute menschliche Miteinander, das er in der Vergangenheit vorzufinden meinte, neu zu erwecken. Sein besonderes Interesse galt der Kirchengeschichte des Höhendorfes. So manchen Aufsatz hat er über den „Alten vom Berge“ verfaßt, den Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert! Wie intensiv hat er die Pfarrgeschichte durchforscht und eine ganze Reihe treffender Charakteristiken gezeichnet! Seine „Favoriten“ waren die beiden Genkelius, die als Vater und Sohn von 1632 bis 1734 die hiesige Pfarrstelle verwalteten, und der kantige Heinrich Reichenbach, der von 1797 bis 1840 Witzheldener Pfarrer war. Banken hat lebendig, geradezu spannend beschrieben, wie die Kirche gebaut und die ersten Menschen durch die Bergischen Grafen auf den Höhen angesiedelt wurden. Bis in seine letzten schriftlichen Äußerungen hinein, die schon zusammenhanglos und oft verwirrt sind, schwingt der Kummer über die schweigenden Glocken durch, über die Ungewißheit, was wohl aus dem „Alten vom Berge“ werden würde. Obgleich nie ein eifriger Kirchgänger, hat er an seiner Kirche gehangen. Eine seiner letzten zusammenhängenden Arbeiten ist der Christmette 1967 gewidmet. Sie trägt den Titel: „Der Alte vom Berge hat seine Christmette wieder.“ Sagen und Märchen aus der engeren Heimat, Gedichte und farbige Schilderungen der Natur runden das Bild des Schriftstellers Fritz Banken ab. Fast alles, was er schrieb, wurzelte im Grunde in seiner Liebe zur Bergischen Heimat. Aber nicht nur die Vergangenheit war sein Arbeitsfeld. Er stand mit bei den Füßen mitten im heutigen Tagesgeschehen. Beweis: Von 1952 bis 1956 gehörte er dem Gemeinderat als Abgeordneter der CDU an und war lange Jahre Ortsvorsitzender dieser Partei. An weiteren Ehrenämtern, die er bekleidete, sei nur an seine Mitarbeit im Männergesangverein Herscheid, im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und im Obst- und Gartenbauverein Witzhelden, zu dessen Gründern er zählt, erinnert. Er schrieb regelmäßig für Zeitungen, insbesondere für den „Burscheider Volksboten“ und betreute lange die Volksbücherei in Witzhelden. Ein kleines Gedicht macht am besten sein Verhältnis zu „seinem“ Dorf deutlich. Es steht auf einem Ortsprospekt Witzheldens und lautet:

Mein Dörflein

Ob der Schnee mit weißen Linnen

hüllet Berg und Täler ein,

oder alle Bächlein rinnen,

golden lacht der Maienschein.

Ob des Sommers Sonne strahlet

in des Dörfleins engen Gassen.

Ob der Herbst die Wälder übermalet,

farbenprächtig ohne Maßen,

immer immer bist du schön,

stilles Dörflein, waldumschlungen,

nicht bloß heut‘ im Friihlingswehen

sei dies Liedlein dir gesungen.

Es war die Zeit, in der der Turm restauriert wurde (1968-1970).